QUALITY OUTPLACEMENT
DR. CORNELIA RIECHERS
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Jobverlust ist kein Untergang

Aus: DIE WELT vom 6. Juli 2002

Outplacement-Berater sind die Goldgräber im geknickten Ego - Bei schwierigen Fällen zeigt sich die Qualität des Experten

Gestern noch auf der Karriereleiter – heute schon auf der Straße: Auch wenn Entlassungen derzeit in vielen Branchen zum Berufsleben gehören, sitzt der Schock bei den Betroffenen tief. Dabei ist es kein Makel, seinen Job zu verlieren. Fusionen, Umstrukturierungen und eine schwächelnde Konjunktur veranlassen Unternehmen, sich einer personellen Schlankheitskur zu unterziehen.

Eine Branche profitiert von schlechten Zeiten: Outplacement-Beratungen. Sie bieten professionelle Hilfe beim beruflichen Neustart. Viele Unternehmen sehen es als ihre soziale Verantwortung an, Outplacement-Beratung in die Trennungsverhandlungen zu integrieren. Rund 30 Gesellschaften sind hier zu Lande nach Angaben des BDU (Bund deutscher Unternehmensberater) auf Outplacement spezialisiert. Doch woran erkennt man einen guten Berater?

Wenn Outplacement-Berater von ihren Erfolgen berichten, wählen sie als Beispiel gern attraktive Bewerber. Was aber geschieht, wenn sie auf Klienten treffen, die schwerer zu platzieren sind? Solche, die inkompatibel mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes zu sein scheinen – obwohl sie bis zu ihrer Kündigung vielleicht ganz normale Arbeitnehmer waren. Nun sind sie gehandicappt durch ihr Alter, eine scheinbar eingeschränkte Leistungsfähigkeit oder durch die bisherige Laufbahn.

Für die Qualität einer Outplacement-Beratung ist es ausschlaggebend, wie der Berater mit solchen Kandidaten umgeht. Reagiert er flexibel und kreativ? Oder fallen diese Mitarbeiter durch die Maschen seines Standard-Programms und finden sich dann als unvermittelbare Fälle in den Statistiken des Arbeitsamtes wieder?

Dass Flexibilität, unkonventionelle Ansätze und psychologische Kompetenz die Schlüssel zu einer erfolgreichen Beratung sind, zeigen die folgenden Beispiele von Cornelia Riechers, Outplacement-Beraterin aus Düsseldorf.

Solide Basis für die Selbstständigkeit

Der 52-jährige promovierte Diplom-Chemiker Christian Albert (Name geändert) verlor nach zwölf Jahren seine Führungsposition im Bereich Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Er räumte sich selbst nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt ein und plante deshalb eine Existenzgründung, ohne realistische Vorstellungen von der freien Wirtschaft zu haben. Die Beraterin stieß schnell auf die fehlende Tragfähigkeit des Vorhabens.

Auch wenn der Klient dieses Ergebnis nicht gerne hörte, konzentrierte sich die Beratung von nun an auf die Suche nach einer neuen Festanstellung. Leider wurde deutlich, dass es nur wenige Stellen im Bereich Arbeitssicherheit/Umweltschutz gab, vor allem nicht mit annähernd vergleichbarer Dotierung.

So führten die Recherchen und Vorstellungsgespräche zwar nicht zu einer neuen Anstellung, sorgten aber für solide Marktkenntnis, wichtige Kontakte und eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten. Auf dieser neu geschaffenen Basis gründete Christian A. nun erfolgreich seine eigene Existenz, begleitet von Cornelia Riechers.

Kreativ am kurzen Zügel

Eine Herausforderung an die Beraterin stellte die 35-jährige Sachbearbeiterin Antje Becker (Name geändert) dar, deren unerklärliche Leistungsschwankungen und häufige Krankheiten letztendlich in ihrem sehr hohen Leistungsanspruch und ihrer Angst, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, begründet lagen. Sobald dies erkannt war, wurden in der gemeinsamen Arbeit unterschiedliche Führungsstile ausprobiert, bis sich herausstellte, dass die Klientin bei einem absolut autoritären Führungsstil und ganz klaren Anweisungen bezüglich Ergebnis und Termin (WAS und WANN) am produktivsten arbeitete. Schrieb man ihr hingegen vor, WIE sie etwas zu erledigen hatte, war sie vollkommen blockiert.

Die wertvolle Erkenntnis, dass sie nur dann Zugriff auf ihre Stärken hat, wenn man ihr genügend Freiraum für ihre Kreativität lässt, half der Klientin bei der Wahl ihrer Wunschtätigkeit. Sie arbeitet heute erfolgreich in einer Promotion-Agentur, in der sie sich auch menschlich sehr wohl fühlt.

Ein Offizier und Betriebsrat

Der ehemalige NVA-Offizier und freigestellte Betriebsrat Rolf Decker (Name geändert) stürzte sich nach seiner Entlassung in Aktionismus und war entschlossen, sich als Personalleiter zu bewerben. Nach seiner Einschätzung verfügte er über das benötigte Wissen und die geforderten Fähigkeiten für eine solche Position.

Cornelia Riechers stellte gemeinsam mit dem Klienten fest, dass er die Anforderungen der Stellenausschreibungen für Personalleiter oftmals nur zu 10 bis zwanzig Prozent erfüllte. Sie schlug dem Klienten eine Alternative im Bereich der Personal-Dienstleister vor – und überließ die Überzeugungsarbeit dem Rücklauf der versendeten Bewerbungen. Während die 80 Bewerbungen als Personalleiter zu keinen positiven Ergebnissen führten, ergaben sich aus den anderen zwölf Bewerbungen acht Telefoninterviews und vier persönliche Vorstellungsgespräche. Ergebnis: ein Arbeitsvertrag als Disponent einer renommierten Zeitarbeitsfirma mit der Perspektive, in Kürze die Leitung einer eigenen Filiale zu übernehmen.

Goldfund mit Spezial-Werkzeug

Drei Beispiele aus der Praxis, bei denen der Griff in die Standard-Werkzeugkiste nicht weiter geholfen hätte. Vielmehr braucht ein Outplacement-Berater die Fähigkeit zur exakten Problemanalyse, Empathie, Engagement, Kreativität, eine für den Klienten mitunter schmerzhafte Offenheit und professionelles Beziehungsmanagement. Nur dann wird er speziell in schwierigen Fällen seiner Rolle gerecht – der Berater, ein Goldgräber im geknickten Ego.

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